Diözesan-Caritasverband Eichstätt, 11.12.2017

"Die Leuten wollen mithalten, können es aber nicht"

Mehr Menschen mit Geldproblemen laut Studie in Caritas-Sozialberatung

Immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund sowie mehr mit finanziellen Problemen suchen die Allgemeine Sozialberatung der Caritas-Kreisstellen im Bistum Eichstätt auf. Das sind die hervorstechendsten Ergebnisse einer inzwischen ausgewerteten Stichtagserhebung über diesen Kerndienst des katholischen Wohlfahrtsverbandes. Der Deutsche Caritasverband hatte die Untersuchung für   alle Diözesen in Deutschland am 21. September 2017 durchgeführt. Danach gab es an diesem Tag fast 100 Ratsuchende bei den sieben Caritas-Sozialberatungsstellen in der Diözese Eichstätt.

Viele mit Migrationshintergrund

Der Anteil der Hilfesuchenden mit Migrationshintergrund ist bei den Stellen im Vergleich mit derselben Erhebung im Vorjahr von 30 auf 42 Prozent gestiegen. Nach Information von Bernhard Gruber ist die Allgemeine Sozialberatung der Caritas mittlerweile für viele anerkannte Asylbewerber eine erste Anlaufstelle, wenn es in ihrer Umgebung keinen Migrationsdienst gibt. Dies betreffe vor allem die ländlichen Gegenden. Gruber ist Sozialberater bei der Caritas-Kreisstelle Ingolstadt und Sprecher für die Allgemeine Sozialberatung bei der Caritas im Bistum Eichstätt. In seine Beratung in Ingolstadt kämen hingegen vor allem zahlreiche Arbeitsmigranten aus den EU-Ländern Rumänien und Bulgarien: „Viele haben ungesicherte Beschäftigungsverhältnisse, manche finden gar keinen Job und sehr viele keine Wohnung“, berichtet der Sozialberater. Darüber hinaus suchten auch nach wie vor mehrere Menschen mit ausländischen Wurzeln Rat, die schon länger in Deutschland leben, zum Beispiel Spätaussiedler.

Viele der Zugewanderten, aber auch zahlreiche einheimische Ratsuchende leiden unter akuten Geldproblemen. Laut der Untersuchung ist die Anzahl der Menschen mit allgemeinen Schulden im Vergleich zum Vorjahr von 25 auf 29 Prozent, jener mit Mietschulden von fünf auf zwölf Prozent und derjenigen mit sonstigen finanziellen Problemen von 35 auf 41 Prozent angewachsen. „Zu uns kommen zahlreiche Hilfesuchende, die Schulden aus ihrem Existenzminium zurückzahlen“, erklärt Gruber. Das betreffe zum einen Darlehen ans Jobcenter für zum Beispiel die vorgestreckte Wohnungskaution oder die Beihilfe zur Reparatur einer kaputten Waschmaschine. Zum anderen „zahlen unsere Klienten allerdings leider auch oft die falschen Schulden“, erfährt der Caritasmitarbeiter immer wieder: „etwa für Handyverträge mit hohen Kosten oder Unfallversicherungen, und dann bleibt nichts mehr für die Miete übrig“.

Immer häufiger vereinbart Gruber daher für Betroffene, dass deren Miete direkt vom Amt aus den Sozialleistungen an die Vermieter gezahlt wird und erstellt gleichzeitig mit den Hilfesuchenden einen privaten Haushaltsplan. „Viele begleichen zahlreiche kleinere Beträge mit der EC-Karte, obwohl ihr Konto nicht gedeckt ist“, sieht der Sozialberater immer öfter, wenn er mit ihnen ihre Ausgaben durchgeht. „Die Leute wollen mithalten, können es aber nicht“, erfährt Gruber zunehmend. Fast die Hälfte der knapp hundert Ratsuchenden am Stichtag bezog Arbeitslosengeld II, über ein Drittel hatte aber auch ein eigenes Erwerbseinkommen. „Auch von diesen Menschen leben viele in Armut. Viele kommen am Ende des Monats, auch wenn sie keine Schulden haben, kaum noch über die Runden und viele Leiharbeiter wissen zudem nicht, wie lange sie noch Arbeit haben“, weiß Gruber.

Auch Partnerschaften belastet

Die finanziellen Probleme wirken sich oft negativ auf Ehe und Partnerschaft aus. „Manche verfallen der Spielsucht, in Beratungsgesprächen geht es auch um bevorstehende Trennungen“, so Gruber. Der Anteil der Menschen in Ehe und Partnerschaft, die bei den Caritas-Sozialberatungsstellen im   Bistum Hilfe suchten, ist bei der Stichtagserhebung von 32 Prozent im Vorjahr auf 43 Prozent heuer gestiegen.

Wie in den   Vorjahren waren die Ratsuchenden überwiegend Frauen, allerdings ist der Anteil der Männer bei der Untersuchung im Vergleich mit dem vergangenen Jahr um acht Prozent angewachsen. „Zu uns in Ingolstadt kommen viele alleinstehende Männer, die kein soziales Netz haben. Darunter sind auch solche, denen nach dem Gewaltschutzgesetz aufgrund häuslicher Gewalt der Kontakt zur Frau verboten wurde und die sich allein im Alltag nicht zurechtfinden“, informiert Bernhard Gruber.  

Im Bistum Eichstätt leisten den Caritas-Kerndienst Allgemeine Sozialberatung die Kreisstellen in Eichstätt, Herrieden , Ingolstadt, Neumarkt, Nürnberg-Süd, Roth und Weißenburg. Außenstellen gibt es zudem in Altdorf, Beilngries , Eibach , Gunzenhausen, Hilpoltstein, Kösching , Schwabach und Wemding .

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