Diözesan-Caritasverband Eichstätt, 13.10.2017

"Ammonit" bei der Caritas verabschiedet

35-jähriger Dienst von Gerhard Bauer gewürdigt / Josef Wintergerst eingeführt

„Eine Ära geht zu Ende, eine neue nimmt ihren Anfang.“ Mit diesen Worten hat Caritasdirektor Franz Mattes am Freitag im Caritas-Kinderdorf Marienstein auf den Punkt gebracht, weshalb rund 90 Frauen und Männer aus Caritas, Kirche, Politik und Verwaltung dort zusammengekommen waren: Gerhard Bauer (58), der 35 Jahre im Diözesan-Caritasverband und davon 28 als Leiter der Kreisstelle und Geschäftsführer der Sozialstation engagiert war, wurde bei einem Gottesdienst und Festakt feierlich verabschiedet. Er trat vor kurzem aufgrund einer zunehmenden Sehbehinderung vorzeitig in den Ruhestand. Gleichzeitig führten Mattes und der Vorsitzende der Caritas-Sozialstation, Karl Forster, Josef Wintergerst (41) offiziell in die beiden Ämter ein.

In Anlehnung an die Worte Jesu „Der Größte unter euch soll euer Diener sein“ hob der Caritasdirektor in seiner Predigt die Gesinnung der Demut hervor, die Bauer bei seiner langjährigen Tätigkeit stets an den Tag gelegt habe: „zum Wohl der rat- und hilfesuchenden Menschen und zur Ehre Gottes“. Wintergerst wünschte der Direktor, „dass Sie Ihre Aufgaben mit viel Kraft und Mut anpacken“. Der stellvertretende Caritasdirektor und Verwaltungsleiter, Alfred Frank, erklärte beim Festakt, er habe Gerhard Bauer „als leidenschaftlichen, besonnenen, diplomatischen und sowohl in fachlicher als auch in sozialer Hinsicht absolut kompetenten Kreisstellenleiter und Geschäftsführer der Sozialstation erfahren, der seiner Verantwortung gegenüber den Hilfesuchenden, seinen Mitarbeitern, seinem Träger und den Geldgebern in vollem Umfang gerecht geworden ist.“ Unter den zahlreichen Engagements, bei denen Bauer Verantwortung trug, stellte Frank insbesondere jene für Asylsuchende heraus: „Sie haben mit Ihrer Mannschaft die Betreuung aller dezentralen Unterkünfte in unserem Landkreis übernommen und gemeistert. Hinzu kamen die bisherige Erstaufnahmeeinrichtung Maria Ward und die Gemeinschaftsunterkünfte in Denkendorf und Beilngries.“

„Erfahrener Kapitän“ geht

Der Eichstätter Landrat, Anton Knapp, sagte, der bisherige Leiter und Geschäftsführer bei der Caritas habe sich „einen guten Ruf in der gesamten Region erworben“. 35 Jahre bei der Caritas und davon 28 in doppelter Leitungsverantwortung „ist ein beachtenswertes Resümee, das nicht viele am Ende des Arbeitslebens ziehen können“. Mit ihm verlasse ein „erfahrener Kapitän“ das Schiff der Kreisstelle und der Sozialstation, die sich „durch ein gutes Arbeitsklima und durch äußerst engagierte Mitarbeiter“ auszeichneten.  Deren Dienste „bieten viele wichtige Angebote und Unterstützungsleistungen für Menschen in Not- und Grenzsituationen, die unbürokratische und tatkräftige Nächstenliebe brauchen“, so Knapp. Für sie habe Gerhard Bauer stets seine Persönlichkeit sowie seine Ideen eingebracht. An seinem Einsatz sei deutlich geworden, was Albert Einstein mit dem Spruch umschrieb: „Das Wertvollste im Leben ist die Entfaltung der Persönlichkeit und ihrer schöpferischen Kräfte.“

Karl Forster erinnerte daran, dass Bauer bereits zur Gründung der Caritas-Sozialstation im Jahr 1989 „durch seine kluge Art der Diplomatie“ wesentlich beigetragen habe. „Seit damals ist er ein Urgestein, ja ein Ammonit, in unserer Krankenpflege-Einrichtung geworden“, sagte Forster und überreichte dem scheidenden Geschäftsführer zum Dank eine Kette mit einem Ammoniten-Anhänger. Dem Vorsitzenden zufolge hat die Station inzwischen 111 Mitarbeitende. Deren Führung neben seiner Haupttätigkeit als Leiter der Kreisstelle sei „eine oft nicht einfache Aufgabe“ gewesen. Zu den wichtigsten unter zahlreichen Initiativen, die Bauer auf den Weg gebracht habe, zählte Forster den Aufbau einer zentralen Einsatzplanung und Verwaltung für eine bedarfsgerechte Versorgung pflegebedürftiger Menschen, die Errichtung eines Pflegemittellagers sowie der Offenen Behindertenarbeit und den Anstoß für eine künftige Tagespflegeeinrichtung.

Aufgabenvielfalt geschätzt

Gefragt nach seiner „persönlichen Bilanz“ für die Caritas gab sich der Verabschiedete und Gefeierte selbst bescheiden: Ich glaube, ich konnte einen kleinen Beitrag dafür leisten, dass sich die ‚soziale Landschaft‘ im Landkreis Eichstätt positiv entwickelt hat. Die Kreisstelle und die Sozialstation sind mit den anderen Anbietern im Landkreis gut vernetzt und stehen auf einem guten Fundament.“ So seien die fachlichen, personellen und wirtschaftlichen Voraussetzungen gegeben, dass durch die beiden Einrichtungen den sozialen Nöten auch in Zukunft wirksam begegnet werden könne, so Bauer. Dass der gebürtige Eichstätter, der an der Katholischen Universität Sozialpädagogik studiert hatte, so lange in den beiden Führungsaufgaben der Caritas gearbeitet hat, liegt nach seinen Worten zum Großteil „an der Aufgabenvielfalt in beiden Bereichen, die für mich einen besonderen Reiz darstellte“. Die Mischung von beratenden Tätigkeiten, Verwaltungsaufgaben und der Möglichkeit, neue soziale Dienste aufzubauen, hätten ganz seiner Erwartung an seine berufliche Rolle entsprochen. Zudem habe er sich stets mit den Zielen der Caritas oder deren Leitbild identifiziert: „Gerade die darin beschriebenen christlichen Werte der Nächstenliebe und der Barmherzigkeit, aber ebenso der Anspruch, eine hohe Qualität in der sozialen Arbeit anzustreben, waren für mich immer eine wichtige Orientierung.“ 

Josef Wintergerst dankte seinem Vorgänger „für die warmherzige, aber doch sachliche Zusammenarbeit“ in den letzten Monaten, in denen Bauer ihn in seine Aufgaben eingeführt hat. Er bat alle Kooperationspartner darum, die beiden Einrichtungen auch unter seiner Regie in Zukunft so gut zu unterstützen wie bisher. Denn in der Caritas-Kreisstelle wie in der Sozialstation gehe es letztlich um „eine Gesamtleistung, die weiter gedeihen“ solle. Die Veranstaltung umrahmten musikalisch die beiden Mitarbeitenden des Caritas-Kinderdorfes Sabine Lehmeier und Walter Heller mit Folk- und Countrysongs.

 

 

Gerhard Bauer (Vierter von links) gedankt und Josef Wintergerst (links daneben) Mut gemacht haben bei einer Caritasfeier Landrat Anton Knapp, der Vorsitzende der Caritas-Sozialstation, Karl Forster, Caritasdirektor Franz Mattes, Caritas-Vizedirektor Alfred Frank, Eichstätts Oberbürgermeister Andreas Steppberger und Bezirksrat Reinhard Eichiner (von links). Foto: Caritas/Esser

 

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