Diözesan-Caritasverband Eichstätt, 09.05.2017

Mehr Pflegekräfte benötigt

Caritasverband fordert zum Tag der internationalen Pflege weitere Verbesserungen

Wesentlich mehr Anstrengungen, um Fachkräfte in der Pflege zu gewinnen, fordert der Diözesan-Caritasverband Eichstätt von Politik und Gesellschaft anlässlich des internationalen Tages der Pflege am Freitag, 12. Mai. Die Ankündigung von Bundesarbeits- und -sozialministerin Andrea Nahles, in diesem Bereich eine bessere Bezahlung durchsetzen zu wollen, gehe zwar in die richtige Richtung. Doch mehr Gehalt allein reiche nicht aus, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Zudem wirkt die Pflegereform sich nach Erfahrungen in der Caritas nicht überall nur positiv aus.

 „Die Ablösung der bisherigen drei Pflegestufen durch fünf -grade ist besonders für Menschen mit Demenzerkrankung ein Vorteil“, erklärt die für die Caritas-Altenhilfe im Bistum Eichstätt verantwortliche Abteilungsleiterin, Hedwig Kenkel.  Gerade im häuslichen Bereich ließen sich für pflegebedürftige Menschen nun mehr pflegekassenfinanzierte Leistungen abrufen. „Im stationären Bereich ist der große Wurf durch die Reform jedoch ausgeblieben“, bedauert sie. Dort sei es oft nicht zu besseren Rahmenbedingungen für Pflegende gekommen. „Teilweise werden unsere Einrichtungen sogar weniger Personal bei gleicher Bewohneranzahl als vorher haben, sodass der Zeitdruck für die Mitarbeitenden noch größer wird“, fürchtet Kenkel. Denn zwar habe sich für viele Heimbewohnerinnen und –bewohner bei der Überleitung von ihrer Pflegestufe in einen Pflegegrad der Personalschlüssel verbessert, da es dabei zu keiner Verschlechterung kommen durfte. Doch bei neuen Bewohnern sei dies oft nicht mehr der Fall: „Von jenen, die früher in Pflegestufe 3 gekommen wären, bekommen jetzt nur wenige den hohen Pflegegrad 5 zugewiesen – und damit stehen nur für wenige entsprechend viel zeitliche Ressourcen durch Pflegekräfte zur Verfügung“, erklärt die Caritas-Abteilungsleiterin und ergänzt: „So stehen die Einrichtungen vor einem doppelten Problem: erstens genügend Personal für gute Pflege bewilligt zu bekommen und zweitens dieses auf dem leergefegten Fachkräftemarkt zu finden.“

Mehr als bessere Bezahlung nötig

Um Personal zu bekommen, so Caritas-Pflegefachreferentin Eva-Maria Schork, „brauchen wir grundsätzlich eine höhere Wertschätzung der Pflegeberufe in unserer Gesellschaft.“ Diese würde sich in einer besseren Bezahlung, aber auch in verbesserten Rahmenbedingen zeigen. „Denn derzeit stehen täglich Pflegende im Spannungsfeld zwischen den Bedürfnissen der ihnen anvertrauten Menschen und engen Zeitkorridoren und Reglementierungen.“ Um mehr Menschen für den Pflegeberuf zu gewinnen, muss nach Schorks Überzeugung Pflege als attraktives Berufsfeld stärker thematisiert werden: beispielsweise in Schulen und durch eine engere Kooperation dieser mit Pflegeeinrichtungen für mehr Angebote von Praktika. Auch müsse die Vereinbarkeit von Pflegeberuf und Familie verbessert werden. „Ein Anreiz könnte dadurch gegeben werden, dass Kitaplätze für Kinder von Pflegerinnen und Pflegern zumindest zum Teil öffentlich finanziert werden“, nennt die Caritasreferentin ein Beispiel. Ferner sollten im Ausland erworbenen Qualifikationen im Pflegebereich besser anerkannt und die Integration von Flüchtlingen in Pflegeeinrichtungen finanziell gefördert werden.

Zudem fordern Kenkel und Schork, dass medizinische Behandlungspflege auch in Seniorenheimen aus der Krankenversicherung finanziert wird. Dies ist derzeit nicht der Fall, obwohl immer mehr schwerkranke Menschen in stationären Altenpflegeeinrichtungen leben. „Die Häuser erhalten zwar von den Pflegekassen eine Vergütung, in der pauschal auch die medizinischen Leistungen enthalten sind. Doch diese hat sich nicht erhöht, der Aufwand für die Behandlung aber sehr wohl“, erklärt Hedwig Kenkel. Außerdem sei es nicht gerecht, wenn Menschen zu Hause Krankenpflege von der Krankenkasse finanziert bekommen,  jene in Pflegeheimen aber nicht. „Beide zahlen schließlich volle Krankenkassenbeiträge“, so die Caritas-Abteilungsleiterin.

 

 

 

Auch bei der Caritas werden mehr Pflegerinnen und Pfleger benötigt. Foto: Caritas/Esser

 

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